Zum Gedenken
an unseren Ehrenvorsitzenden Josef Beiner

 

Trauerrede des 1. Vorsitzenden Andreas Schaurer bei der Beisetzung von Josef Beiner am 25. April 2008

                                                                                                                             

Liebe Familie Beiner,
liebe Trauergemeinde, 

das Herz des Männergesangverein Eintracht Ingenheim hat aufgehört zu schlagen.
Tief bewegt und voller Trauer müssen wir, die Sängerinnen und Sänger des MGV, Abschied nehmen von unserem Ehrenvorsitzenden und Freund Josef Beiner.

Musik war sein Leben, der Chorgesang war sein Element. 62 Jahre lang stand er als tragende Säule und Führungsstimme im 2. Bass. Obwohl er von seiner Krankheit bereits geschwächt war, ließ er es sich nicht nehmen, bis zuletzt in die Singstunde zu kommen.

Seit Mitte der sechziger Jahre übernahm Josef Beiner in der Vereinsführung Verantwortung. Zunächst hatte er 7 Jahre das Amt des 2. Vorsitzenden inne, bevor er zwischen 1974 und 1998, mit einer kurzen Unterbrechung, insgesamt 20 Jahre als 1.Vorsitzender den Verein geführt hat.

1997 erhielt er mit dem Ehrenbrief die höchste Auszeichnung des Chorverbandes der Pfalz. Zwei Jahre später wurde er aufgrund seiner herausragenden Verdienste zum Ehrenvorsitzenden unseres Vereines ernannt.

2006 schließlich wurde er für 60 Sängerjahre mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes ausgezeichnet.

In seine Amtszeit als Vorsitzender fielen zahlreiche Höhepunkte der Vereinsgeschichte. Konzertreisen nach Ungarn, in die USA und nach Rom sind nur drei Beispiele, wobei unser Auftritt im Petersdom 1997 für ihn das vielleicht größte Erlebnis als Sänger war. Davon hat er immer wieder geschwärmt.

Aber all diese Zahlen und Daten können nur unzureichend beschreiben, was dieser Mann für unseren Verein geleistet und bedeutet hat.

Mit unserem Sepp verlieren wir die Identifikationsfigur unseres Vereines. Für alle ein Vorbild, und für viele, gerade für die jüngeren Sänger auch eine Vaterfigur. Mit unermüdlichem persönlichen Einsatz, mit seiner direkten, persönlichen Ansprache und mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit hat er viele Sängerinnen und Sänger für unsere Chöre gewonnen. Immer mit dem Ziel, den Fortbestand des Vereines und seiner Chöre auch in der Zukunft zu sichern.

Überhaupt war ihm die Jugend und der Nachwuchs immer sehr wichtig. So war es für ihn die reinste Freude im kleinen Männerchor und später im Adhoc-Chor mit überwiegend jungen Sängerinnen und Sängern zu singen. Daran hatte er sichtlich seinen Spaß.

Josef Beiner hatte in unserem Verein eine weitere, ganz wichtige Funktion inne – er war unser Vizechorleiter. Wobei das Wort Funktion nicht ganz richtig ist: Es war für ihn eine Berufung. Egal ob nach der Singstunde, bei Geburtstagsständchen, am Vatertag, oder sogar im Anschluss an ein Konzert – er war immer derjenige, der uns zum Singen aufforderte und die Frage stellte: „Was soll´n ma singe?“ Und der Chor hat sich mit ihm als Chorleiter immer wohl gefühlt. Wie oft haben wir uns darüber amüsiert, dass er in der Singstunde immer den 2. Bass oder auch eine der anderen Stimmen leise mitsang, auch dann, wenn der 2. Bass gar nicht singen sollte. Aber so war er in der Lage, unzählige Lieder in allen vier Stimmen singen zu können. Ich glaube, wir werden dieses vertraute Mitsingen sehr vermissen.

Der MGV Eintracht Ingenheim war ein ganz wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Er hatte immer nur das Wohl unseres Vereines im Sinn, lange Diskussionen und Debatten waren ihm ein Gräuel. Seine erste Frage, als ich ihn vor wenigen Wochen im Krankenhaus besuchte, war: „Warn genuch in de Singstunn?“

Auch in schwierigen Zeiten, die es natürlich auch gab, war er der Fels in der Brandung, der dafür sorgte, dass es mit dem Chorgesang in Ingenheim immer weiterging. Er pflegte in solchen Momenten immer zu sagen: „S´wichtigschde isch: Geh´n in eier Singstunn!“ 

Das gesellschaftliche Miteinander war für Josef Beiner mindestens genauso wichtig wie der musikalische Erfolg. Das gemütliche Beisammensein nach der Singstunde war ihm immer ein besonderes Anliegen, und natürlich wurde dabei auch gegessen, getrunken, Schafkopf gespielt und vor allem - gesungen. Wie oft und wie gern haben wir von ihm den Satz gehört: „Hänner eiern Ton?“ Mit seiner mitreißenden und emotionalen Art schaffte er es immer wieder, uns Sänger zu disziplinieren. Und mit einem breiten Lächeln im Gesicht stellte er nach dem letzten Ton zufrieden und glücklich fest: „Ihr Männer, des war wun-der-bar“.

Egal, wo wir uns gerade befanden, überall verstand er es mit seiner unnachahmlichen Art, die Menschen für die Musik und unseren Gesang zu begeistern. Die Anzahl der Sänger spielte da nur eine untergeordnete Rolle. Während unserer USA-Konzertreise 1993 saßen wir in einem Hafencafé in San Francisco. Wir waren nur sechs Sänger, aber irgendwann sagte Sepp: „Mer missen äns singe“. Aus einem wurden am Ende sechs oder sieben Lieder und die Menschentraube um uns herum wurde von Lied zu Lied größer und der Applaus stürmischer. Und Sepp war in seinem Element. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Solche Erlebnisse bleiben und prägen.

Wohl jede Sängerin und jeder Sänger unserer Chöre kann von ähnlichen Erlebnissen, die untrennbar mit Sepp verbunden sind, berichten. Ob auf Konzertreisen, Ausflügen, Sängerfesten, beim Vatertag im Pfälzerwald oder auch zuletzt nach dem Konzert im Speyerer Dom, als wir mit ihm in der Gaststätte „Domnapf“ spontan noch ein paar Lieder gesungen haben: Wir alle werden uns gerne an solche Momente erinnern, aber sie machen diesen Abschied auch so schwer. 

Der MGV Eintracht Ingenheim und Josef Beiner – das gehörte einfach zusammen, das eine war ohne den anderen nicht denkbar. Und nun müssen wir in Zukunft ohne ihn zurecht kommen. Vieles wird anders werden, und von so manch vertrauter Gewohnheit müssen wir uns verabschieden. Und doch, lieber Sepp, es ist für uns alle Verpflichtung und Ehre zugleich, diesen Verein auch in deinem Sinne weiterzuführen.

Eine Ära ist zu Ende – aber der Name Josef Beiner wird für immer untrennbar mit dem Männergesangverein Eintracht Ingenheim verbunden sein. Und nun begleiten wir dich, lieber Sepp, traurig, aber auch voller Dankbarkeit auf deinem letzten Weg. Niemals werden deine Sängerinnen und Sänger vergessen, was du für diesen Verein, was du für uns bedeutet hast.

 

 

 

 

Erinnerungen

Sein letzter Auftritt im Dom zu Speyer
Unser Co - Dirigent
Geliebte Karten
Fachgespräche der Dirigenten
Verdiente Rast
Sepp erklärt den Sinn von "Glocken der Heimat"
Glocken - 2. Teil
Gelebter Gesang
Wo stecken die bloß....?
Habt Ihr prima gesungen, Jungs !
Da wackelte die Madenburg
Das ist Euer Ton im Bass
Sepp ohne Zigarette - nicht vorstellbar
Ehrung für 60 Jahre Singen

Diese Bilder sollten einen kleinen Ausschnitt aus dem Wirken von unserem Sepp im MGV zeigen. Es sind nur Beispiele.

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